Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

Aber ich bin nicht gemeint

Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, dass man ein solch hart Urteil hat gesprochen?

              All meine Sünden, meine Missetaten, haben dich verraten

So oder zumindest ähnlich singen wir in der Karfreitagsmesse.

Und bezeugen unsere Ehrfurcht vor dem Kreuzestode Christi in einer Kniebeuge vor dem Holzkreuz, welches im erschütterndem Ecce Lignum Crucis, in quo salus mundi pependit enthüllt wird.

Ja, tief ergriffen sind wir alle, wenn wir uns dieses Leides erinnern, welches der Herr vor zwei Jahrtausenden erlitten hat.

Was aber bedeutet dieses „meine Missetaten haben dich verraten?“ Ich selber habe ja doch nicht die Nägel eingeschlagen, ich habe ja nicht einmal die Hohepriester in den Garten geführt oder sonstige Zulieferdienste geleistet. Quasi die Gnade der späten Geburt. Ich kanns ja nicht gewesen sein, der da gemeint ist? Nicht einmal die Ehe breche ich, die gelegentlichen Unwahrheiten bei der Steuererklärung sind doch nun wirklich keine Sünden, das macht ja bitte mein Steuerberater. Gut, dass ich beim Einparken den VW des Nachbarn ein bisserl angekratzt habe, war nicht ganz OK, aber gleich beichten? Was denn? Das ist doch wirklich übertrieben. Nur weil ich da möglichst schnell in der Kirche sein wollte, schließlich regnet es und der Pelz der Frau soll ja nicht nass werden. Also, ich werde es schon beichten, später dann, wenn weniger Leute zuhören. Immerhin kann man ja, wenn man sich anstrengt die Erzählungen des anderen hören, der da grad im Beichtstuhl kniet. Nein, ich höre sichern nicht zu, ich will aber nur wissen, wenn der Priester mit der Absolution beginnt, schließlich bin ich dann an der Reihe. Oder? Oder hat sich da der eine vorgedrängt? Schon wieder dieser eine freche Schüler der mich noch nie gegrüßt hat. Scheinbar weiß er nicht, wer ich bin. Naja, gut, dass wenigstens die anderen Kommerzialräte in der ersten Reihe meinen Platz freihalten. Schon nett, wenn man unter sich ist.

Endlich, wir knien nieder. Gut, dass mir nicht so kalt ist. Ich habe ja meinen neuen Anorak an. Fast ist mir die Lust daran vergangen, als ich von diesen Kinderarbeitern gehört habe, die in Bangladesch meine Jacke herstellen sollen. Verätzte Finger, ein grausliches Foto. Aber… das ist weit weg. Mir ist halt wichtig, dass ich gut angezogen bin. Und vor allem bitte meine Kinder, meine Kinder sollen nur die beste Kleidung haben. Was kann ich denn dafür, dass dieses komische Sandbestrahlen so wichtig ist. Überhaupt, soll ich denn immer Rücksicht nehmen?

All meine Missetaten haben dich verraten…

Bitte, ned so falsch singen da hinten. Und wenn schon, dann bitte leise. Ich habe ja selber damals bei den Sängerknaben die Burschen ausgebildet. Ha, wenn die damals nicht gespurt haben, da haben wir schon Mittel gehabt.

Ah, ich bin dran…

Kniebeuge….

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Ein Kommentar zu “Aber ich bin nicht gemeint

  1. ulrich habsburg-lothringen
    September 11, 2013

    Ich glaube Jesus ist für Nichtjuden/Christen so eine Art Ur-Erfahrung wie der Auszug aus Ägypten für die Juden. durch den Auszug wurden die Israeliten zu einem Volk und durch Jesus wurden wir zu einem geistigen Volk, welches sich an den Regeln des jüdischen Volkes orientiert aber die Beengtheit eines Volkes durch die reine Geist-Struktur überwunden hat. Aus diesem Grund, da ja Jesus auch als Messias zeitlos ist treffen auch alle unsere Fehlentscheidungen ihn, der das Gesetz ja repräsentiert.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juli 21, 2012 von in Gedanken und getaggt mit , , , .
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