Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

Die Angst vor dem Perfekt

Hilfe, ich will nicht perfekt sein!
Perfekt, das Wort der Worte. Jedes Konzept nimmt es für sich in Anspruch, die Kleidung, der Haarschnitt, das Auto, ja sogar die Beziehung will toll, toller, perfekt sein.
Unüberbietbar, besser als gut und nicht mehr verbesserbar.
Ein netter und eigentlich gar nicht so schlechter Anspruch, den sicherlich auch viele erfüllen können. Hoffentlich zumindest. Wahrscheinlich ein paar, aber ganz sicher irgendwer.
Perfekt, nun, der Spruch, „Man soll aufhören, wenn es am besten ist“ drängt sich auf. Hat man also dieses Optimum erreicht, so müsste man, der alten Weisheit zufolge aufhören und sich neuen Zielen zuwenden, um diese dann zur Perfektion zu treiben. Gut, dass die selbige doch eher Anspruch und Floskel als tatsächliche Beschreibung eines Zustandes oder gar einer Person ist.
Doch da war auch noch eine andere Idee zum Thema:
Bin ich perfekt, so kann ich mich nicht mehr verbessern, so muss doch der einzige Anspruch sein, dieses Level zu erhalten. Perfektion wird zum Selbstzweck. Als quasi göttlicher Zustand wird sie verehrt, um nur ja nicht ins Mittelmaß zurückzufallen. Furchtbare Vorstellung.
Ich muß also aufhören, die perfekte Idee, Eigenschaft, Sache oder Person (und ist man selber auch diese Person) beenden. Und schon ist man Vergangenheit.
Vergangenheit… Perfekt.
Austauschbare Ausdrücke, sie bedeutet beide dasselbe, wie eine Erinnerung aus der Schulzeit lehrt.
Eine reizvolle und spannende Überlegung. In der Gegenwart fällt es schwer perfekt zu sein, kann dieser Zustand doch permanent durch eine unerwartete Wendung verderben.
Der Menschlichkeit liegt also die Perfektion weniger nahe als die Präsenz.
Die Gegenwart, das Gespür für den Moment, für sämtliche Einflüsse, die einen Augenblick ausmachen. Gestik, Mimik, Tonfall, Wortwahl, Kleidung des Gegenüber, jeder Windhauch und Sonnenstrahl der Menschen in Stimmungen versetzt. Das ist Gegenwart, das ist Leben.

denn das Leben ist präsent, die Vergangenheit perfekt.
Und wenn wir dann irgendwann einmal diese Summe an gegenwärtigen, präsenten Momenten bestaunt, erlebt und geatmet haben, dann, weit ab von jeder Perfektion und doch viel Näher, als jener im Elfenbeinturm, der nur den Selbstzweck suchte, dann wird geerntet.
Dann wird die Summe des Staunens und des Lebens von einem Boten geschnitten, der sie als Saatgut verwendet. Den Acker und die Früchte kennt niemand, doch auch sie werden sehr präsent sein.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juli 23, 2012 von in Gedanken und getaggt mit , , , , , , .
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