Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

Ich bin ja nicht betroffen

Auf der Strasse, in der Bahn, Auf der strasse, in der Bahn, vor der Schule, überall sind derzeit wieder Schüler unterwegs. Primär in der Zeit von 7 – 8 in der Früh, aber freilich auch tagsüber, aus welchen Gründen auch immer. Die blödeln herum, stenkern, lachen, die Mädls reden über die Burschen und umgekehrt, nun mehr oder weniger so wie es immer war. Vielleicht in einem anderen Ton, aber eigentlich, let´s be honest, so anders waren wir auch nicht.

Mir persönlich fällt nur auf, dass regelmäßig unerfreuliche antisemitische Floskeln und Beschimpfungen in den Alltagstext einfließen. NIcht nur bei den Jugendlichen. Auch in der Beratungssituation wird im Nebensatz erwähnt, dass ja klarerweise die Familie des Ex so gescheit und geschäftstüchtig ist, weil eben semitischen Ursprungs. (Wobei grad in diesem Fall diese Assoziation leicht zu widerlegen war, weil bereits im nächsten Satz von einem haarstreubenden juristischen und wirtschaftlichen Blödsinn berichtet wurde)

Eine Begebenheit,die nun schon ungefähr ein Jahr zurückliegt, ist mir noch sehr unerfreulich in Erinnerung:
Ich gehe auf der Gasse nahe  unseres Wohnhauses an einer Schule vorbei, einer KMS im 19. Bezirk in Wien. Einige Schüler unterhalten sich im pubertären Stänkerton. Hier ist nichts ernst und alles halblustig gemeint. Der Ton ist aggressiv, die Lacher aber echt. Ein Wort, eine Bezeichnung ist mir in Erinnerung :

„Judenkind“

Und nein, das war nicht nett gemeint.

Ich habe mir daraufhin erlaubt, die Direktion dieser KMU anzuschreiben, nicht um die Schüler anzuschwärzen, sondern um dieses Thema (die Folge der Wortwahl auf die Gesinnung) anzusprechen.

Die freundliche Reaktion der Direktion läßt, wie auch jede andere… noch auf sich warten, ich habe bis heute nichts von der Schule in der Pyrkergasse gehört. Schade.

Ählich verhielt es sich auch, als ich einmal bei einem Lauf eine Schmiererei am nördlichen Ende der Donauinsel fand, die in großen Runenzeichen ein Doppel – S auf das nördliche Wehr gepatzt hatte. Ebenso ein Hakenkreuz. Ich meldete dies der Polizei, wurde darauf hingewiesen, dass diese räumlich nicht zuständig wäre. Daraufhin ließ ich die Drähte glühen und telefonierte mich von der Korneuburger Polizei bis zum Dokumentationsarchiv durch. Siehe da… Keiner war im Endeffekt zuständig. Das Dok-Archiv bedankte sich zwar für meinen Einsatz, aber…. nun ja.

Bin ich da zu wehleidig und sollte mich da zurücknehmen. Ich bin ja nicht betroffen. Nur unsere Freunde und Nachbarn, die Rabbis.

 

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Ein Kommentar zu “Ich bin ja nicht betroffen

  1. Ellen
    Oktober 24, 2012

    Du schriebst: „Bin ich da zu wehleidig und sollte mich da zurücknehmen. Ich bin ja nicht betroffen. Nur unsere Freunde und Nachbarn, die Rabbis.“

    Nein, meiner Meinung nach bist Du keinesfalls wehleidig. Etwas hellhöriger, etwas wacher, etwas weniger abgestumpft…das wären meine Worte der Wahl.
    Der „Willy“ würde das gewiss genau so sehen ->

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Oktober 5, 2012 von in Uncategorized und getaggt mit , , , .
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