Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

Erinnerungen an eine unerfreuliche Zeit

Ich habe Glück, ich liebe meinen Job, bin glücklich verheiratet, gesund, mir tut nix weg.

Das war nicht immer so.

Gleich nach dem Studium damals fand ich zwar sofort einen Job im Bereich einer Bank, doch stellte sich heraus, dass ich  hierfür nur begrenzt (also gar nicht) geeignet war. Die Faszination für Benchmarks, Kurse, Renten und Fonds hat sich mir bis heute nicht abschließend erschlossen. Sei´s drum.

Im Anschluß an meine Tätigkeit in der Bank war ich eine Zeit lang auf Jobsuche. Nennen wir es beim Wort, ich war arbeitslos. Keiner von denen, die damals wie heute als „die anständigen Bürger“ bezeichnet werden, ich war „einer von denen“ über die man nur in Prozentbeträgen spricht. Ein unerquicklicher Zustand, eine wirklich an der Substanz  nagende Zeit.

Ich kann mich erinnern, dass mir oft von Freudesseite versucht wurde, Trost zuzusprechen: „Du kannst ja nichts dafür, das ist halt die Wirtschaft, das System, Es ist nicht Deine Schuld“.

Verdammt aber auch! Wenn es die ANDEREN sind, die an meiner Malaise die Verantwortung trugen, wie sollte ich jemals die Chance erhalten, mich einzubringen? Wie konnte ich jemals versuchen, durch Justieren meiner persönlichen Schwächen und Stärken wieder ins Spiel zu kommen. Nur, wenn ich zumindest teilweise „schuld“ an meiner Arbeitslosigkeit war, konnte ich auch was daran ändern.

Darüber hinaus ignorierte ich die augenscheinliche Tatsache, dass ich nach über 2 Jahren AMS-Wartezimmer-Sesseldrücken nicht mehr die geringste Chance auf einen adäquaten Job hatte. Jeden einzelnen Tag erwartete ich den Anruf, das Mail. Und ja, eines Tages kam auch DAS Mail, welches zu DEM Anruf und zum darauffolgenden Gespräch kam. Ich sage zwar nicht, dass ich dann gleich glücklich wurde, im Gegenteil.. aber ich war wieder im Spiel.

Ich habe aus dieser Zeit ungemein viel gelernt: Ist es nicht meine Verantwortung, so kann ich es auch nicht beeinflussen. Ich kann nur ent-schuld-igen, wenn ich auch einen Teil der Schuld trage. „Das System“ ist zu anonym, „Die Gesellschaft“ ebenso. ICH kann anpacken und mich aus dem Morast ziehen. Sonst macht es keiner!

Ab dem Moment, als ich  als Selbständiger unterwegs war, merkte ich erst, wie viel mir diese harte Lebensschule beigebracht hatte. Es war eine mühsame Zeit, aber sie hat mich nicht unwesentlich geformt. Und irgendwie.. Heut kann ich aufrecht durch die Welt gehen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am November 9, 2013 von in Gedanken und getaggt mit , , , , , , .
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