Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

Die Angst und ich

Angst vor der Dunkelheit, Angst vor der Macht des Gletschers, Angst vor den Zecken. Angst vor dem Versagen, Angst vor der eigenen Schüchternheit.
Viele Varianten sind mir im Laufe der letzten 20 Jahre untergekommen, zuletzt meine Zeckenphobie. Der Gedanke, dass das hohe Gras voller blutlechzender Krabbelviecher mit spitzen Beißwerkzeugen ist, sie nur drauf warten in den unerfreulichsten Körpergegenden ihr Werk zu verrichten ließ mich mitten im Kärntner Wald erstarren.
Sollte ich denn dann im Wald bleiben? Wollte ich eigentlich nicht, zumal auch meine Frau wieder umdrehen wollte. Meine Angst richtet sich nicht primär gegen FSME und Borreliose, sondern gegen die eklige Vorstellung des krabbelnden Zeckenviechs auf mir. Egal. Einfach wieder rein ins Gras, mein Kopf muss doch stärker sein, als diese irrationale Angst. Und als ich durch das hüfthohe Gras lief, fühlte ich nur den kühlen Tau und den Waldboden. (Übrigens fand ich zuhause keinen einzigen Zeck an mir…)

Einleitend habe ich auch von anderen Situationen geschrieben, unter anderem Angst vor einem Gletscher. Dies in Erinnerung an eine Wanderung, die mich vor 15 Jahren in eine Gletscherhöhle führte. Zu Mitternacht bei Vollmond. Ein unglaubliches Erlebnis, gespickt mit dem lauten Ächzen den fließenden Gletschers. Meine Füße wollten sich eigentlich nicht bewegen, standen starr im Eingangsbereich, als mein Bruder die Höhle erkundete. Die Neugier überwand die Angst und es war ein unbeschreibliches Anblick, den das gletscherblaue Mondlicht bot.

Auch in Zeiten der Jobsuche war klar, die Angst vor der Zurückweisung, der Absage lähmt. Hier half ein altes jüdisches Sprichwort: Das Nein hast du schon, das Ja kannst du haben. Was hilft es mir, wenn ich aus Angst vor einem Nein nicht einmal versuche, ein JA zu bekommen? Die Tatsache, dass ich schlussendlich den Wiedereinstieg geschafft habe und nun durchaus erfolgreich selbständig geworden bin, scheint mich zu bestätigen.

Angst ist wichtig, ist ein sehr intensives Gefühl. Aber ich habe auch einen Kopf, ein Hirn, das die Wahrscheinlichkeiten abwägt. Vor allem: was denn ich vor Angst starr bleibe.. und sich die Angst als unbegründeter Trug herausstellt? Dann war sie völlig vergebens. Akzeptiere ich sie als das was sie ist, als ein Gefühl, erlebe sie und handle in Wissen um meine Gefühle, dann habe ich die Chance, mir zu zeigen, dass ich etwas erreichen, etwas erleben kann.
Wobei ich ausdrücklich betonen will… Grundsätzlich bin ich ein Angsthase.. aber ein neugieriger 😉

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Ein Kommentar zu “Die Angst und ich

  1. ulrich habsburg
    Juli 9, 2014

    angst und furcht die brueder unseres ichs, spielend kann ich mich heran tasten um mit genuegend erfahrung darueber -diese grenzen-hinweg zu schreiten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juli 9, 2014 von in Gedanken.
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