Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

Sag NEIN- wenn du es wirklich willst

Denke NICHT an den rosa Elefanten! Fahre NICHT über diesen Kanaldeckel drüber! Heute streite ich mit ihr sicher NICHT!

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, werden diese Vorsätze fehlschlagen, lenken sie doch die Aufmerksamkeit gerade auf die zu vermeidende Angelegenheit. Der Watzlawik´sche Klassiker ist dabei ein geniales Beispiel. Wenngleich wohl zuvor weder in Biologie, Psychiatrie oder sonst einer „-ie“ genannt, so feiert der erwähnte Dickhäuter in dem Paradoxon der selbsterfüllenden Prophezeiung fröhliche Urstände. In der ängstlichen Fixierung, nur ja einen großen Boden um ihn zu machen, bildet der Rosa Elefant quasi den Mittelpunkt des Denk-Universums und bindet somit die Gedanken solange an sich, bis sich ein neues Zentralgestirn herausgebildet hat. Dabei.. dabei haben wir ja ausdrücklich festgelegt, NICHT an ihn denken zu wollen. Irgendwas dürfte da falsch gelaufen sein.

Als ich noch frisch mit dem Motorrad unterwegs war, gönnte ich mir einen Fahrtechnikkurs, welcher mir sehr spannende Einblicke offenbarte. Nicht nur über die Gummimischung des Motorradreifens, sondern auch über die so wichtige Blicktechnik im Rahmen der Kurventechnik. Schickt man den Blick an die richtige Stelle voraus, so fährt sich die Kurve wie von Zauberhand quasi von selber, die Neigung passt sich wie selbstverständlich an die Gegebenheiten an. Relevant sind dabei freilich die Bodenbeschaffenheit ebenso, wie das Tempo, doch darum geht es hier nicht. Ein anderes Beispiel im selben Kurs war die folgende Situation: Auf einer Regenfahrt tauchen plötzlich 2 Kanalgitter auf der Straße auf. Es ist klar, dass die Haftung auf nassem Gitter weit weniger motorradfreundlich ist, als auf Asphalt, weswegen erhöhte Aufmerksamkeit angebracht ist. Wie das Kaninchen vor der Schlange fixiert man als das Kanalgitter um nur möglichst….. drüberzufahren. Klar die Lenkung folgt dem Blick. Konzentrieren wir uns jedoch auf die sichere Strecke, also den Pfad zwischen den Gittern hindurch, so brauchen wir uns zu keiner Sekunde um die mit ihnen verbundene Rutschgefahr kümmern. Nein wir fahren einfach auf unserer Strecke weiter.

„Heute streiten wir einmal nicht!“ ein hehrer Vorsatz, der manchen streit- und leidgeprüften Paaren wohl an Feiertagen entfleucht. „Zu Weihnachten wollen wir es uns schön machen, da streiten wir nicht.“ Ach, der Ansturm bei den Familienberatungsstellen nach den Feiertagen zeigt die Sinnhaftigkeit dieses Mantras. Freilich oft ist die Situation dermaßen verfahren, dass ein gemütlicher Familienabend undenkbar ist, warum dann aber einen unerfüllbaren Vorsatz in den Raum stellen? Wäre nicht der Gedanke „heute wollen wir es uns gut gehen lassen“ oder “ wir haben viele schöne Zeiten erlebt, erinnern wir uns daran“ eher angetan, bei allen Konflikten auch positiv gestimmt zu bleiben. Wir haben es ja selber in der Hand, worauf wir unseren Fokus richten, seltsam, dass wir diese Macht zumeist destruktiv nutzen.
Habe ich die Wahl, mich über die verunglückte Fassadenrenovierung eines Hauses (und dann in weiterer Folge auch die Fehlversuche in der aktuellen Stadtplanung meiner 2.Heimat) zu ärgern, so verschwende ich meine Energie. Leite ich meine Aufmerksamkeit auf spannende Details, so bringen mir diese positive Anhaltspunkte für gestalterische Kreativität, mit welcher ich auch Beiträge zur Verbesserung einbringen kann. Warum denn auch nicht? Wenn ich kritisieren kann, dann ist es auch meine Aufgabe, diese Kritik in Verbesserungen umzusetzen, so zumindest meine persönliche Sicht.

Zuletzt noch ein Gedanke, der mir beim kürzlichen Kirchbesuch einschoss: „Schütze uns vor der Sünde“ oder so ähnlich gab es da zu hören.. Klar ein durchaus christlich, oder zumindest katholischer Ansatz. Meins wäre ja eher die Konzentration auf die positiven Werte, die schon der liebe Augustin(us) recht kompakt in den Satz „Ama et fac quod vis“ zusammengefügt hat. Grad einer Religion, in der die Nächstenliebe an so zentraler Stelle steht, steht dieser Satz gut zu Gesicht. Klar, es gibt fast endlose Kritikpunkte an der Praxis zu finden, aber… mein Anspruch ist eben die zielführende Blickführung. Und die führt eher in die Augustinische Richtung[i].

[i] Ob der geneigte Leser hier den Gustl von Hippo oder den Wienerischen „lieben Augustin“ assoziiert, steht frei 😉

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Ein Kommentar zu “Sag NEIN- wenn du es wirklich willst

  1. Pingback: Gedanken zur „Goldenen Regel“ | Ulrichs Blog

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Februar 22, 2015 von in Gedanken und getaggt mit , , , , , , , , , , , , , .
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