Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

Strom, Wellen und Einheiten / der Deckmantel der Unmenschlichkeit

Die Sprache ist genial. Sie ist machtvoll und stark.

Erst kürzlich durfte ich einen beeindruckenden Beweis erleben, wie Sprache Gedanken und somit Taten formt. Gleich dem Film „Inception“ werden Ideen, Bilder und Gedanken ins Hirn des Gesprächspartners oder Zuhörers gepflanzt, welche sich dann ihren eigenen Weg in die Realität bahnen.

Ich kann mich nur gut an die Bilder der Überflutung in Lavamünd erinnern, als aufgrund anhaltender Regenfälle die Altstadt unter Wasser stand, ebenso wie auch des öfteren die Wachau überflutet und die Donauinsel ihrem eigentlichen Zweck gerecht wird. Eine Flut ist eine wetterbedingte Katastrophe, die großes Leid über die Menschen bringen kann.

Der Begriff der Welle ist spätestens seit dem 26.12.2004, als eine Riesenwelle im Indischen Ozean 200.000 Menschen in den Tod spülte auch negativ angehaucht. Naturgewalt, Zerstörung und Angst tauchen in den Gedanken auf, erinnert man sich an die Bilder aus Banda Aceh und Fukushima.

So klingt es auch legitim, gegen diese Naturgewalten Wälle zu errichten, mit militärischen Mitteln gegen Angriffe auf Heim und Hof vorzugehen. Nur handelt es sich eben bei Menschen nicht um Tsunamis, Erdbeben oder Wetterkapriolen. Menschen bringen Wissen, Erfahrungen und vor allem Emotionen und Menschlichkeit.

Die Sprache ist schlau, sie ist – um einen weiteren Filmtitel zu zitieren – Insidious, heimtückisch.

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel an rhetorischer Vernebelungstaktik bot kürzlich ein Vertreter des Gemeindebundes in einem Statement, als er von der Unzumutbarkeit sprach „Größenordnungen von 50 Einheiten“ auf die Kleinstgemeinden aufzuzwängen“. Hört man nur beiläufig zu, dann passt ja durchaus alles ins Bild, doch schaltet man Herz und Hirn dazu, so entpuppt sich diese Diktion als probates Instrument der Entmenschlichung. Einheiten weinen nicht, hoffen nicht, lachen nicht, danken nicht. Einheiten sind steril und sachlich, objektiv. Sind nicht eher jene als „Einheiten“ zu bezeichnen, die an Zahlen feilen, Computerprogramme entwerfen, um Unmenschlichkeit in Wahlergebnisse umzurechnen? Einheiten kalkulieren, Menschen weinen, Menschen hungern, Menschen lachen und danken.

Drängen Menschen, Kinder mit Ihren Eltern durch fremde Länder, um dem Krieg und dem Elend, welches falsche Ideale in ihre Heimat getragen haben in sichere Gegenden der Welt, so stellt dies die Weltgemeinschaft freilich vor Herausforderungen. Und Chancen. Hier ist Energie vorhanden, Potential liegt in der Luft, steht zur Abholung bereit. Ja, es ist ein Strom, Strom treibt unsere Wirtschaft an und erleuchtet unsere Häuser, wenn wir ihn fließen lassen. Staut sich diese Energie aber unkontrolliert auf, so sucht sie sich einen Weg. Nutzen wir sie richtig, nutzen wir ihre Kreativität.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am September 27, 2015 von in Gedanken und getaggt mit , , , , , , , , .
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