Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

die rare Seite der Menschlichkeit

Grad in der jüngsten Vergangenheit wäre es einfach, an der Menschlichkeit zu zweifeln. An der Menschlichkeit als Ideal, ebenso, wie an der Menschheit als Gattung insgesamt. Und, ja, auch darüber ließe sich trefflichst dichten. Was ich heute auch in der U-Bahn begonnen habe.

( in einer Welt, fern von Idealen
getragen nur von Zombies- fahlen….)

Doch bei allem Frust über den offenkundigen Sieg der Unmenschlichkeit, des Festungs- und Mauerbaus, zeigt sich die Menschlichkeit gleich einer unbesiegbaren Pflanze, die durch die unscheinbarsten Ritzen im Asphalt dringt.

In der U-Bahn eben, ich bin grad eingestiegen, sitzt ein junger Mann in sich gesunken, scheinbar nicht unwesentlich illuminiert, den Kopf auf einem Gitarrenkoffer. Ich setze mich nicht neben ihn, stelle mich viel mehr zum Weiterdichten meiner Zeilen in die Nähe. Zwei Teenager – das Kopfkino sieht sie als Schulschwänzer –  sitzen auf den benachbarten Sitzen und betrachten ihn. Der Bursch testet, ob sich der Schläfer bewegt, ein Handzeichen gibt zu verstehen:“passt schon“.  Zu meiner Verwunderung schnorrt daraufhin der Bursch den in sich Versunkenen um Zigaretten an, erfolglos.

Zufällig betritt die Wienerlinien-Aufsicht den Wagon, prüft auch kurz, ob ein Rettungseinsatz nötig ist und ersucht nur höflich, der Mann möge die Schnapsflasche wieder mitnehmen, wenn er aussteigt. In dieser Szene hat mich insbesondere der respektvolle Umgang der Wienerlinien-Leute mit dem Fahrgast gefreut. Hier ist man auch anderes gewöhnt.

Nachdem die Wienerlinien-Mitarbeiter wieder ausgestiegen sind, rollen nun dem Mann 2 Zigaretten aus der Tasche. Also genau, worum der Bursch vorher geschnorrt hatte. Sie rollen verführerisch an die Füße der beiden Jugendlichen. Nach einem kurzen Blickwechsel heben sie die Tschick auf und stecken sie dem Mann wieder in die Tasche.

Sie verabschieden sich, und steigen aus.

Menschlichkeit, du rares Gut
bist selten ja, doch machst mir Mut

Du bist der Streif am Horizont
auf den zu warten es sich lohnt

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am März 23, 2016 von in Gedanken, Uncategorized und getaggt mit , , , .
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