Ulrichs Blog

einfache Gedanken zum täglichen Irrsinn

Marathon- und Ultralauf, warum ich Euch liebe oder… Geht nicht, gibt´s …. später

Ich bin ja nach wie vor davon begeistert, wenn mir jemand vom Marathonlauf erzählt, davon, dass er (oder freilich auch sie) diese Strecke bewältigen kann.
Dann gibt es auch noch jene, die sich auf die Ultradistanz wagen, die 50, 70 oder gar 100 Kilometer bewältigen, all jene harten Hunde, all die „gehtnichtgibtsnicht“´s. Ach, ich staune dann gerne und lerne.

Denn ich war, bin und werde nie einer von Euch sein.

Alleine die Vorstellung, 42 Kilometer zu bezwingen, sie zu unterwerfen und als Sieger aus diesem scheinbaren Kampf gegen wasauchimmer hervor zu gehen schafft in mir wenig Begeisterung, daran haben 60 gefinishte Marathons in den letzten 24 Jahre nichts geändert.
Nun, ich ahne, dass ich die Strecke schaffen kann, doch darum geht es schon lange nicht mehr. Ich will die Zeit, in der ich laufen darf genießen, will vor allem auch erleben dürfen, wie sich die Strecke, die Umgebung, meine Laufkollegen und vor allem ich verändern. Erst die Nervosität am Start, dann der Versuch, möglichst schnell in den eigenen Rhythmus zu kommen, die Freude über den lockeren Schritt der ersten paar fließenden Kilometer. Die hoffentlich gute Durchgangszeiten bei KM 10, 15, 20, beim Halbmarathon bestätigen dann die vielen schönen Läufe im Vorfeld des Marathons und geben Hoffnung auf eine gute Zeit. Doch.. oft lehrt der Marathon dann ein wenig Demut:

Nachdem ich vieles, aber sicher kein Supermann bin, gehe ich leider viel zu oft irgendwo zwischen 27 und 35 ein wenig ein, wie gehe ich damit um? Wie, wenn ich merke, dass meine KM´s immer ein wenig langsamer werden? Nun, ich kann dagegen ankämpfen, kann all jene restliche Energie aufwenden und um jene Sekunden pro Kilometer kämpfen, die sich noch vor wenigen Minuten so leicht angefühlt haben. Das habe ich oftmals so gehalten, bin gelegentlich auch bescheidene Bestzeiten gelaufen, doch – schieben wir´s auf´s Alter – jetzt nicht mehr. Meine Marathonbestzeiten sind vorbei.
Heute geht es mir eher um die Reise durch meine Psyche, durch meine Physis. Wie geht es mir, wenn ich erlebe, dass mein Körper zu schwächeln beginnt? Wie gehe ich persönlich mit den Thema der Versagensangst um?
Einmal bei einem meiner Lieblingsläufe war es fast soweit, ich dachte ich müßte aufgeben und unterhielt mich schon mit einem Streckenposten, ob ich vielleicht mit ihm in den Start-/Zielbereich mitkommen könnte. Doch aus einem eigentlich lächerlichen Grund (er meinte, wir könnten erst in einer Stunde fahren) lief ich weiter. Es war nicht locker und schon gar nicht leicht, dennoch genoss ich es. Schließlich hatte das Leben meine Faulheit überlistet und ich konnte weitermachen.

Grundsätzlich gehöre ich (wie schon angedeutet) nicht zu jenen, die ein Aufgeben für sich persönlich für alle Zeit ausschließen. Im Gegenteil: Ich kann gerne aufgeben, aussteigen, doch vielleicht nicht grad jetzt. In 5 Min gerne, bei der nächsten Gelegenheit. Nicht bei dieser U-bahnstation, eine geht schon noch. Auf diese Weise nehme ich mir jeden Stress, etwas unbedingt schaffen zu müssen, sondern entspanne ein wenig. Erfahrungsgemäß kommt in den nächsten Minuten dann immer der eine Grund, der mir wieder Motivation schenkt, mich weitermachen läßt.

Einmal, letztes Jahr musste ich tatsächlich aufgeben, aussteigen. Ich war trotz eines Infektes gestartet und wollte kein zu großes gesundheitliches Risiko eingehen, weswegen ich bei einer Labestelle dann den Lauf verließ. Im Nachhinein denke ich, würde ich die Entscheidung wieder so treffen.

Nun aber, was macht den Unterschied zwischen einem Marathon und einem Ultralauf aus?

Definiert man den Ultralauf als jeden Lauf, der länger als 42,195 ist, so fallen auch schon manche schlecht vermessene Marathons hinein. Persönlich muss ich gestehen, dass für mich der Ultralauf erst ab ca 70 km beginnt, denn hier wird dann langsam der Kopf wichtiger als die Beine.

Wenn ich konkret von meinem Lieblings-Ultralauf rede, dem „Wien-Rundumadum“, einem 130 Km Lauf rund um Wien, dann bleibt mir der Gedanke verschlossen, diesen Lauf zu laufen. Nein, das kann ich schlicht nicht. Vielmehr unterteile ich im Kopf all jene bekannten Passagen in Einzelstücke und freue mich weniger auf das Finish, sondern vielmehr auf den Nordsteg, welcher von der Donauinsel auf den Donauradweg führt, ich freue mich auf den Nasenweg, auf den Schotterweg runter vom Hermannskogel, den Dehnepark, den Dreihufeisenberg, die Labestelle beim Güttenbachtor, den Wienerberg, das Einlaufkraftwerk Freudenau, den Moment an dem die Dunkelheit die Stirnlampe erfordert und dann schlicht dieses Eintauchen in die Nacht und die eigene Psyche. Hier wird der Weg nebensächlich, er liegt im Dunkeln. Irgendwann geht es auf den Bisamberg und ca 13 Km darauf dann ins Ziel. All jene Momente und noch weit mehrere habe ich Freunden gleich ins Herz geschlossen. Ich freue mich schon, Euch wiederzusehen.

Wir werden Spaß haben und… so nebenbei nehme ich mein Haustier an die Leine und spanne ihn gerne gleich einem Schlittenhund vor:

Den Inneren Schweinehund

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Oktober 19, 2018 von in Gedanken, zum Sport und getaggt mit , , , , , , , , .
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